Polylog

„Es liegt ein sonderbarer Quell der Begeisterung für denjenigen, der spricht, in einem menschlichen Antlitz, das ihm gegenübersteht; und ein Blick, der uns einen halb ausgedrückten Gedanken schon als begriffen ankündigt, schenkt uns oft den Ausdruck für die ganz andere Hälfte desselben.“
(Heinrich von Kleist)

Meine Workshop-Methodik „POLYLOG“

Diese Methodik fußt auf den über 200 Jahre alten Gedanken von Heinrich von Kleist in seinem Text „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Sprechen“, der heutzutage als ein guter Leitfaden für verbesserte Kommunikation herangezogen werden kann. Kleist geht es in seinem Aufsatz um die Notwendigkeit auf Seiten des Sprechenden, sich eines Sachverhaltes im Moment des „Darüber-Sprechens“ klarer zu werden: Wenn nämlich der Sprechende seine Gedanken ordnet, um seine Sichtweise dem Hörenden zu erläutern, wird er sich der Dinge bewusster und gelangt dadurch zu einer tieferen Einsicht in die von ihm angesprochenen schwierigen Sachverhalte.

Fazit: man hört sich anders zu, wenn einem jemand anderes zuhört.

Üblicher Weise: PING-PONG Kommunikation

In meiner Workshop-Situation erhält jeder Teilnehmer der Reihe nach die Möglichkeit, eine Zeitlang ohne Unterbrechung zu sprechen, während die übrigen Teilnehmer gleichzeitig nur zuhören. Was sich einfach anhört, kommt doch in der Praxis nur selten vor. Im Eifer des Gefechtes gibt es kaum die Möglichkeit, einmal zu Ende sprechen zu können und mein Gegenüber hört häufig gar nicht zu, sondern überlegt sich während meines Sprechens schon seine Antwort darauf. Die Folge: ein endloses „Ping-Pong-Spiel“, das nicht selten eskaliert.

Im POLYLOG-Setting kommunizieren wir anders:

Keine Fragen, keine Ratschläge, keine Vorwürfe, keine Interpretationen, keine Abwertungen, keine Verallgemeinerungen. Wir führen ganz bewusst keine Dialoge im üblichen Sinne, sondern eher wechselseitige Monologe – wobei ich so spreche, dass es mich selbst interessiert, mir zuzuhören, und so zuhöre, dass es mich interessiert, was der andere spricht! Das hat besondere Qualitäten:

  • eine durch die Ungestörtheit profund erlebte Selbstwahrnehmung des Sprechenden wird unterstützt durch die Aufmerksamkeit der wertungsfrei Hörenden. Dies schafft Vertrauen zueinander.

  • das achtsame wertungsfreies Zuhören ist eine Übung des Respekts und befreit alle Teilnehmenden von dem Zwang, vorschnell Lösungen finden zu müssen.

  • aus den Beiträgen aller Teilnehmenden ergibt sich am Ende des Polylogs ein vergrößerter Fundus an möglichen Alternativen von Handlungsoptionen.